Morton Feldmans späte Stücke haben einen ganz langen Atem. So auch „Three Voices“ (1982), bei dem kein Tempo vorgegeben ist. Juliet Fraser bewegt sich mit 53 Minuten im Bereich geläufiger Einspielungen. Feldmans Stück fasziniert als dreistimmige A-cappella-Meditation über wenige Motivfloskeln, die sich kanonisch verschachteln oder sanft gegeneinander reiben. Es dauert 20 Minuten, bis die ersten Worte aus Frank O’Haras Gedicht „Wind“ urplötzlich im Zentrum eines abstrakten Raumes „leerer“ Vokalisen auftauchen. Vibratolos und ätherisch ist Fraser hier im Gespräch mit ihren akustischen Verdoppelungen im Niemandsland von Kälte und Klangzauber, Einsamkeit und Erhabenheit.

Dirk Wieschollek