Der Gatte ist verschollen, man hat wieder geheiratet – und dann steht, böse Überraschung, der tot Geglaubte in der Tür. Was tun? In Otto Nicolais „Die Heimkehr des Verbannten“ spielt sich dies vor dem Hintergrund der englischen Rosenkriege im 15. Jahrhundert ab, wobei Leonore (Sopran) mit Lord Artur (Tenor), ihrem ersten Gatten, zwangsverheiratet wurde, während sie den Grafen Edmund (Bariton), ihren zweiten, wirklich liebt. Das Ganze endet mit ihrem Suizid.

Nicolai war knapp über dreißig, als er „Il proscritto“ schrieb. Die Uraufführung 1841 in Mailand wurde zum Skandal, da Emilia Frezzolini, Nicolais frühere Geliebte und Sängerin der weiblichen Hauptrolle, sich längst mit dem Komponisten überworfen hatte und den Abend über markierte. Nicolai ging dann als Hofopernkapellmeister nach Wien, nahm die Partitur mit und konfektionierte 1843/44 eine neue Fassung (in deutscher Sprache), die freilich ebenso vergessen wurde wie die 1849 für Berlin überarbeitete.

Michael Wittman hat alle drei wiederbelebt, wobei er die letzte für die reifste hält. Dennoch stützt sich die Produktion der Chemnitzer Oper von 2011, die nun auf CD vorliegt, auf jene aus Wien, weil Dirigent Frank Beermann auf Leonores große Auftrittsarie nicht verzichten wollte. Beermann, als Opernschatzgräber ja bekannt, hatte in Chemnitz bereits „Il templario“ herausgebracht und erweist sich mit der Robert-Schumann-Philharmonie auch hier als hochengagierter Anwalt Nicolais. Julia Bauer bewältigt die enormen Anforderungen der weiblichen Hauptpartie – die quasi eine dramatische Königin-der-Nacht-Stimme erfordert – durchaus, wenngleich sie etwas unausgeglichen wirkt. Und auch die übrige Sängerriege ist eifrig, freilich auf unterschiedlichem Niveau. Auf jeden Fall gebührt der Einspielung die besondere Aufmerksamkeit der Wiederentdeckung.

Gerhard Persché