Unter den erfreulich vielen hervorragenden Streichquartetten der jungen Generation gehört das Aris Quartett zu den spannendsten. Das Ensemble, 2009 in Frankfurt gegründet und von bedeutenden Lehrerpersönlichkeiten wie Günter Pichler ausgebildet, hat bei einigen internationalen Wettbewerben für Furore gesorgt.

Seine Handschrift zeigt das Aris Quartett auch auf CD. Wie schon bei der Debütaufnahme von 2015 nimmt das Repertoire des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle ein. Höhepunkt des Albums ist eine mitreißende Interpretation des fünften Bartók-Quartetts, die technisches Können, Präzision und Leidenschaft vereint. Selbst unter den hochkarätigen Konkurrenzaufnahmen entfaltet der emotionale Reichtum der Musik nur selten eine so überwältigende Kraft wie hier. Die schnellen Rahmensätze verströmen rhythmische Energie und eine hitzige Expressivität; dagegen scheint im choralhaften Beginn des Adagio molto die Zeit still zu stehen: für einen wunderbaren Moment der Wehmut und des Innehaltens, aus dem dann allmählich ein intensiver Gesang erwächst. Hier wirkt Bartóks Musik wärmer und verletzlicher als sonst.

Wenn man die CD von vorne anhört, scheint es fast, als glühe in der Bartok-Interpretation noch ein Rest jener spätromantischen Emphase nach, die das zweite Quartett von Zemlinsky prägt. Auch dort fesselt das Ensemble mit einer Ausdruckskraft, die sich in den erregten, weit ausgreifenden Gesten zu Beginn ebenso niederschlägt wie im virtuosen Höllenritt am Ende des dritten Satzes oder dem innigen Gesang kurz vor dem Schluss des Finales.

Dass die Zemlinsky-Aufnahme trotzdem einen nicht ganz so griffigen Eindruck hinterlässt wie der Bartók, liegt einerseits an der schwer fasslichen, bisweilen vielleicht etwas überladenen Komplexität und labyrinthhaften Harmonik des Stücks selbst, aber auch am Klang der Produktion. Er wirkt, vor allem bei Zemlinsky, für meine Ohren merkwürdig stumpf und proberaumartig.

Marcus Stäbler