Kirchenmusik war für Dmitry Bortniansky eine zentrale Beschäftigung, für Alfred Schnittke eine periphere. Dennoch wirkt sein A-cappella-Konzert (1984, typisch polystilistisch) ungleich fesselnder als die Werke Bortnianskys. Dass Tschaikowsky sie theatralisch fand, ist bei den vom MDR Rundfunkchor unter seinem jungen estnischen Leiter Risto Joost gebotenen Gesängen (Konzerte 9 und 24, Cherubinischer Lobgesang 7) wenig nachvollziehbar. Auf den heutigen Hörer wirken sie in ihrer freundlichen Homophonie fast ein wenig lethargisch. Die klangschöne, intonatorisch lupenreine Widergabe nimmt allerdings gefangen, gesteigert bei dem heiklen Schnittke-Opus.

Christoph Zimmermann