Pehr Henrik Nordgren (1944-2008) war einer der interessantesten und eigenwilligsten  skandinavischen Komponisten. Nordgrens unmittelbar zugängliche Musik ist farbintensiv und nicht selten folkloristisch inspiriert, aber auch seine zahlreichen Konzerte kommen gänzlich ohne emotionale Klischees und vordergründige Virtuosität aus. Mit Juha Kangas und dem Kammerorchester Ostrobothnia hat der Finne zeitlebens eng zusammengearbeitet, eine Symbiose, die hier Interpretationen aus allererster Hand garantiert.

Mit wuchtigen Klavierakkorden hebt das zweite Klavierkonzert op. 112 (2001) an, auch später finden sich markante Gravuren in dramatisch akzentuierten Klanggeweben. Es ist ein düsteres, melancholisch brütendes Werk, das vehemente Schlagzeugeinsätze aufbietet. Das Konzert für die linke Hand op. 129, geschrieben 2004 für den japanischen Pianisten Izumi Tateno, ist das vielfarbigste und experimentellste Stück dieser Produktion, in dessen geräuschhafter Mikrotonalität der oft einstimmige Klavierpart wie in Stein gemeißelt ist. Die bedrohliche Atmosphäre, die über dem Ganzen schwebt, verdankt sich einer japanischen Geistergeschichte, die als abgründige literarische Vorlage dient. Am Ende entwickelt diese unheilschwangere „Programmmusik“ einen inneren Aufruhr, der den Solisten als ständigen Unruheherd ausweist.

Zwischen schillernder, manchmal spätromantischer Dramatik und volkstümlicher Schlichtheit schwankt der Zyklus von Orchesterliedern nach Gedichten von Edith Södergran op. 123 (2003). Monica Groop bewegt sich in diesen orchestral klangprächtigen und suggestiven Vertonungen sehr konturiert und ausdrucksvoll, ohne dass ihr warmer Mezzo je zu dick auftragen würde.

Dirk Wieschollek