Sie ist die Stimme des Heidelberger Lounge-Jazz-Kollektivs DePhazz, für ihre Zusammenarbeit mit der Jazzkantine und den Nighthawks wurde sie jeweils mit einem German Jazz Award ausgezeichnet. Seit mittlerweile zehn Jahren aber macht Pat Appleton auch in eigener Sache auf sich aufmerksam: Dies ist – nach „What’s Next?“ (2007) und „Mittendrin“ (2011) – das dritte eigene Album der liberianisch-deutschen Sängerin. Kennt man sie sonst vor allem aus elektronisch gestützten Gruppen, in denen sie eher zum Gesamtsound beiträgt, so steht sie jetzt mit ihrer warm timbrierten Stimme als Sängerin im Mittelpunkt.

Inzwischen Wahlberlinerin, stellte sie aus versierten Profis, die alle so gut wie „um die Ecke“ wohnen, ein Quartett zusammen, das mehr ist als nur ihre Begleitband. Pianist Sebastian Weiss und Trompeter Martin Auer, beide seit langem auch Leader eigener Bands, komponierten die Musik zu Songideen und Lyrics, die Pat Appleton mitbrachte. Sie setzen auf einfache Melodien und klare, rein akustische Instrumentierung, während die durchweg englischen Texte auch zum Nachdenken anregen sollen. Pats „erfolgreich abgebrochenes“ Studium der Politikwissenschaften an der Uni Heidelberg, hier klingt es noch ein wenig nach.

Selbstredend singt sie von Liebes- und Beziehungsdingen („A Dangerous Thing“, „Everyday Love“), doch sie traut sich auch an heiklere Themen, wie das der historischen Kollektivschuld, heran („The Blame Game“). Klavier, Kontrabass und Schlagzeug unterstützen geschmackvoll und setzen die Stimme vorteilhaft ins Licht, was Martin Auer an Trompete und Flügelhorn mit reizvollen Farben und Linien anreichert. Bleiben die Songs auch nicht auf Anhieb im Ohr, der Druck auf die Repeat-
Taste lohnt allemal. Im Vergleich zum loungigen Easy-Listening à la DePhazz (etwa dem Party-Hit „The Mambo Craze“) ist dies ein reifes Album.

Berthold Klosterman