Lehár | Die Juxheirat

„Immer Er und Sie, s’ist anders nicht zu treiben, immer Er und Sie, immer wird es so bleiben“, singt Captain Arthur Brockwiller, weil er Juliane heiraten will, die sich dem Bund LVM (Los vom Mann) angeschlossen hat. Die Juxheirat wird aber nicht zwischen diesen beiden geschlossen, sondern zwischen Arthurs Schwester Selma, der LVM-Gründerin, und Julianes Bruder Harold, von dem sie glaubt, er sei seine Schwester Juliane. Am Ende steht aber nicht Juliane beschämt da, sondern Selma, die plötzlich mit einem richtigen Mann verheiratet ist. Dafür, dass sie sich in ihr Schicksal fügt, braucht es aber noch einen ganzen dritten Akt samt Maniküre-Couplet. Seliger Operetten-Blödsinn!

Es ist schier unfassbar, welchen Sprung das Talent des Franz Lehár binnen eines Jahres gemacht hat: 1905 kam der Welt­erfolg der „Lustigen Witwe“ heraus, 1904 hatte im Theater an der Wien „Die Juxheirat“ Premiere, die nach 39 Vorstellungen wieder von den Spielplänen verschwand. Und dennoch ist es hochwillkommen, dass cpo die vergessene Operette als Mitschnitt einer halbszenischen Aufführung aus Bad Ischl wieder zugänglich macht.

Höhepunkt war anno 1904 Alexander Girardis Affentanz in einer Nummer, die Schopenhauer, Darwin und Haeckel veralberte. Musikalisch interessanter ist die Wagner-Parodie, bei der Tristan und Stolzing anklingen. Dass die Handlung unter amerikanischen Neureichen (und Adligen) in der Neuen Welt spielt, findet keinen Niederschlag in der – immer farbenreichen – Musik. Es fehlen halt die unverwechselbaren Melodien, die Lehár später eingefallen sind – man glaubt, alles schon einmal gehört zu haben.

Da Markus Burkert aber ein Händchen für Operette hat und auch sehr ordentlich gesungen wird, hatte das Publikum im Ischler Saal hörbar sein Vergnügen, und das überträgt sich auch über den Lautsprecher.


Bernd Feuchtner