The Wave Quartet | Bach: Konzerte

Ein Katalog mit sämtlichen Bach-Bearbeitungen und Adaptionen würde rasch zu einer mehrbändigen Enzyklopädie anwachsen. Nun liegen einige von Bachs ursprünglich für Cembalo konzipierten Konzerte in einer Fassung für vier Marimbas und Orchester vor. Das „Wave Quartet“ hat sich, wie es im Beiheft versichert, ursprünglich gegründet, um just diese Bach-Konzerte spielen zu können.

Für die neue CD hat man nun die Konzerte BWV 1052, 1061 und 1062 sowie das Konzert für vier Cembali BWV 1065 ausgewählt. Schon zu Beginn dieser Aufnahme stellt sich die Frage: Passt der eher weiche, nachhallende Klang der Marimba mit dem eher trockenen Klang des L’Orfeo Barockorchesters gut zusammen? Offen gestanden, die Frage bleibt auch am Ende der CD unbeantwortet. Da prallen zwei klanglich sehr unterschiedliche Gebilde aufeinander, was in den schnellen Ecksätzen besonders deutlich zutage tritt. Das mag letztlich Geschmackssache jedes Einzelnen sein, daran mag man sich gewöhnen oder auch nicht – Bach verträgt viel.

Musikalisch hat diese neue Einspielung etliche Reize zu bieten: die geheimnisvolle Atmosphäre in den langsamen Sätzen etwa, das ist berückend entrückend, meditativ, zeitanhaltend. Die Prägnanz, mit der das Wave Quartet spielt, zählt sicherlich zu den besonderen Qualitäten, zumal in der genauen Abstimmung mit Michi Gaiggs Orchester. Erstaunlich auch die Klarheit, mit der das Wave Quartet, um vier weitere Solisten verstärkt, das abschließende a-Moll-Konzert bewältigt. Da braucht es Präzisionsspezialisten, die nicht nur rhythmisch, sondern auch bei den dynamischen Verläufen sehr gut miteinander harmonieren.
Auf der anderen Seite stehen einzelne befremdliche Momente wie die Kadenz im Kopfsatz des d-Moll-Konzerts: Warum diese überdeutlichen Dehnungen und Verzögerungen? Bach braucht diese Art von Romantisierung wahrlich nicht. Weniger hätte auch gereicht.


Christoph Vratz