Lehár: Der Graf von Luxemburg

In den Operetten wimmelt es zwar von Adeligen, verhandelt werden aber stets bürgerliche Probleme. Man träumt sich in die scheinbar freie Welt dort droben, weil man sich heillos in der eigenen Doppelmoral verstrickt hat. So ist es auch in Lehárs „Grafen von Luxemburg“, der das Eheverhältnis als ein Geldverhältnis entlarvt. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs komponiert, klingt der Karnevalschor zu Beginn wie der hysterische Aufbruch der Kriegsbegeisterten. Die konzertante Aufführung in Frankfurt zu Silvester 2015 verzichtete auf die Dialoge und setzte auf Tempo.

Wie beim Prinzen Orlofsky ist hier niemand der, als der er sich ausgibt. Bariton Sebastian Geyer legt den Fürsten Basil folgerichtig als köstliche Karikatur an: Der alte Knacker ist so dement, dass er seine Dauerverlobte Kokozow ganz und gar vergessen hat, eine Dame, die am laufenden Band Whisky, Zigarren und Boys konsumiert – Margit Neubauer tritt zwar spät, aber desto nachhaltiger auf. Jetzt hat der Fürst sich in die Primadonna Angèle verliebt – dafür dreht er später noch mächtig auf. Doch weil diese nicht standesgemäß ist, soll sie auf drei Monate mit dem Grafen von Luxemburg verheiratet werden, was jenen mit Geld und diese mit einem Adelstitel versieht.

Die Strauss-Diva Camilla Nylund macht sich prima als Operetten-Primadonna, und wenn sie so fein Duett singt mit Daniel Behle als Graf René, dann ahnt man schon, dass die beiden Scheinehepartner sich auch als echte finden werden. Der Weg dorthin wird von dem Paar Juliette/Brissart aufgehalten, deren Weg zur Liebe Louise Adler und Simon Bode durch manch hübsches Duett führt. Durch flotte Tempi bewahrt Eun Sun Kim die Operette vor den Untiefen der Sentimentalität; der hohe Druck, der hier herrscht, sorgt allerdings eher für preußischen Schmiss als fürwienerischen Fasching.

Bernd Feuchtnert