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Klassik - Menschen im Hotel
Wie realistisch darf Musiktheater sein? Schafft Kunstgesang nicht a priori eine ästhetische Distanz, die jeden Rea lis - mus in Anführungszeichen setzt? Vor allem in den Medien Film und Fernsehen? Kann das Genre auch, wie speziell das deutsche Regietheater es gerne möchte, als gesellschaftliches Gewissen vereinnahmt werden? Unter dem Titel „The Full Monte ver - di“ hat der englische Regisseur John La Bouchardière ein in diesem Zusammen - hang interessantes Experiment versucht – nicht mit einer Oper des Meisters aus Cre - mona freilich, sondern mit dessen Viertem Madrigalbuch. Dieses entstand im Jahr 1603, also zu jener Zeit, als der Komponist Hofkapellmeister des Herzogs von Mantua war; es ist eine Sammlung von höfischen Liebesliedern (und musikhistorisch ein wichtiger Schritt auf dem Weg von der kunstvollen Mehrstimmigkeit zur Mono - die). Gemeinsam mit Robert Hollingworth und dessen Vokalensemble „I Fagiolini“ sowie einer Gruppe von Schauspielern übertrug der Regisseur Monteverdis überzeitliche Zustandbeschreibungen von Liebe in allen Schattierungen, von der Ekstase zur Trauer des Verlassenen-Seins, auf heutige Beziehungen: Sechs Paare unterschiedlicher sozialer Herkunft treffen sich in einem Hotel, lieben und streiten sich und gehen schließlich auseinander. Monteverdis Madri - gale fungieren dabei sowohl als Dialog wie auch als Gefühlsfolie, behalten dabei stets ihre ästhetische Eigenständigkeit. Zunächst als Bühnenproduktion herausgebracht, fand La Bouchardières Konzept seine ideale Verwirklichung im Film. Brillant.
Wednesday, 13. February 2008
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