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Expressiv
Mit besonderem Engagement hat sich
Anne-Sophie Mutter in den vergangenen
Jahren für zeitgenössische Violinliteratur
eingesetzt. Im August 2007 brachte sie in
Luzern das ihr gewidmete Violinkonzert
„In tempus praesens“ von Sofia Gubaidulina mit den Berliner Philharmonikern
unter der Leitung von Simon Rattle zur
Uraufführung.
Von Sophia, der Göttin der Weisheit im
russisch-orthodoxen Christentum, ließ
sich Gubaidulina inspirieren, in Anne-
Sophie Mutter hat sie die ideale Inter pretin für ihr zweites Violinkonzert gefunden.
Mag sich auch die Komplexität des
fünfteilig konzipierten Werkes erst durch
wiederholtes Hören erschließen, so spürt
man doch eines sofort: Diese Musik lotet
tief, sie will Existentielles aussagen, und
ihre Interpreten ringen mit aller Kraft
darum. Mutter setzt den Solopart hochexpressiv
unter Spannung, mit einem Ton,
der samtzart oder von einer bohrenden
Intensität sein kann.
Bachs Violinkonzerte bilden einen ungewohnten
Kontrast zu Gubaidulinas neuem
Werk. Dies ist aber nur scheinbar ein
Widerspruch, denn Bachs Musik trägt
Universalität und Zeitlosigkeit in sich; sie
ist auch für Gubaidulina eine stete Quelle
der Inspiration. Mutter prägt die Interpretationen markant. In den Finalsätzen
wählt sie rasante Tempi, die Musik eilt in
behänder Leichtigkeit dahin, dennoch
bleibt die Artikulation glasklar. Proble matisch
erscheint die stark „romantisierende“
Tonbildung in den langsamen Mittelsätzen. Hier changiert Mutter, mitunter
auf demselben Ton, zwischen Non-Vibrato und einem ausufernden Einsatz dieses
Ausdrucksmittels, der fragwürdig ist.
Musik 
Klang 
Bach,
Violinkonzerte Nr. 1 und 2;
Gubaidulina, Konzert für Violine und
Orchester „In tempus praesens“; Anne-
Sophie Mutter (Violine), Trondheimer
Solisten, London Symphony Orchestra,
Valery Gergiev (2007/2008)
DG/Universal CD 0028947779483 (63´) |
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Montag, 15. September 2008
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