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Kritiken: Oper

Dass das Mannheimer Nationaltheater den „Alessandro“ des Neapolitaners Gian Francesco de Majo im Mai 2008 wieder in sein Repertoire aufnahm, war eigentlich keine schlechte Idee: Schließlich hatte der früh gestorbene Komponist diese Seria, eine der rund siebzig Vertonungen des Metastasio-Librettos über den Indien feld zug Alexanders des Großen, im Jahr 1767 im Auftrag des Herzogs Karl Theodor für den Mannheimer Hof geliefert.


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de Majo, Alessandro; Lars Möller, Marie-Belle Sandis, Cornelia Ptassek u. a., Herrenchor des Nationaltheaters Mannheim, Nationaltheaterorchester Mannheim, Tito Ceccherini (2008/2009); Coviello/Note 1 2 CD 4039956209119 (129’)

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Auch in Australien hat die historische Aufführungspraxis Einzug erhalten. Es sind eine Hand voll Instrumentalensembles, die sich um die in der Regel europäische Barockmusik kümmern. Die Pinchgut Ope ra in Sydney dagegen wagt sich an ambitionierte Musiktheaterprojekte.


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Henry Purcell, The Fairy Queen; Sara Macliver, Sally-Anne Russell, Stephen Bennett u. a., Orchestra of the Antipodes, Antony Walker (2003); ABC/Codæx 2 CD 0028947628798 (144’)

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Nicola Porpora war einer der berühmtesten Gesangslehrer und Opernkomponisten seiner Zeit. Sein Betätigungsfeld umfasste Neapel, Rom, Venedig, Wien, Dresden und London, wo er 1733-1737 von der Opera of the Nobility engagiert wurde, um Händel Konkurrenz zu machen. Neben Leonardo Leo und Leonardo Vinci gilt Porpora als Hauptvertreter des modernen neapolitanischen Stils; indes zeigen sich in seinen Werken auch deutliche Züge der alten italienischen Schule, wie auch bisweilen Übernahmen französischer Stilelemente zu erkennen sind.


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Porpora, Opernarien; Karina Gauvin, Il Complesso Barocco, Alan Curtis (2008); Atma/MW CD 722056259026 (79’)

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„Megérheztünk. Íme lássad: Ez a kékszakállú vára.“ Wo versteht man das schon, außer in Ungarn selbst? (Es sind die ersten Worte in Béla Bartóks Operndichtung „Herzog Blaubarts Burg, zu Deutsch etwa: „Da sind wir nun. Endlich siehst du Blaubarts Burg.“) Das Problem ist freilich, dass die Musik dieses Werks in dialektischer Beziehung zum Wort steht, nicht nur dessen sich anschmiegende Hülle ist. Klar, es geht auch um Seelenbilder, die in der Musik ihren adäquaten Ausdruck finden, aber zugleich um deren Analyse. Darf man der Musik also Priorität einräumen, das Klangereignis über die Mittei lung stellen? Ein Problem, das auch etwa für Aufführungen der Opern Leos Janáceks gilt, in denen die tschechisch-mährische Sprache so bedeutsam ist.


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Bartók, Herzog Blaubarts Burg; Elena Zhidkova, Willard White, London Symphony Orchestra, Valery Gergiev (2009); LSO/Note 1 CD 822231168522 (59’)

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Einige Jahre bevor er seine „Lustigen Weiber“ schrieb, war Otto Nicolai in Italien ein ernst zu nehmender Konkur rent des aufstrebenden Verdi. Seine 1840 in Turin unter dem Titel „Il templario“ urauf ge führte Vertonung des Romans „Ivan hoe“ erlebte 70 Produktio nen. Doch irgendwann ist die Partitur verschollen, so dass der Komponist lange nicht von der Belcanto-Renaissance unserer Tage profitieren konnte. Nun gelang es dem Musikwissenschaftler Michael Wittmann, das Notenmaterial aufzustöbern, und das ambitionierte Chem nitzer Opernhaus machte die Probe aufs Exempel.


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Nicolai, Il templario; Kouta Räsänen, Stanley Jackson, Judith Kuhn u. a., Chor der Oper Chemnitz, Robert-Schumann- Philharmonie, Frank Beermann (2008); CPO/JPC 2 CD 761203743421 (149’)

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Mit Puccinis „La rondine“ tat sich die Musikwelt seit jeher schwer. Was eigentlich eine deutsche Operette hätte werden sollen, komponiert auf ein für Puccini ins Italienische übersetztes Libretto, das für Aufführungen dann wiederum ins Deutsche rückübersetzt hätte werden sollen – nun ja, aus all diesen Vorhaben wurde nichts, weil der Erste Weltkrieg dazwischenkam. Zwar komponierte Puccini das Werk trotzdem, allerdings nun als italienische Komödie. Trotz erfolgreicher Uraufführung 1917 in Monte Carlo war er mit dem dritten Akt nicht zufrieden und änderte das Werk, manchmal nur für eine bestimmte Aufführung, 1917 bis 1921 mehrmals um.


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Puccini, La rondine; Svetlana Vassileva, Maya Dashuk, Fabio Sartori u. a., Orchester und Chor des Puccini-Festivals Torre del Lago, Alberto Veronesi (2007); Naxos 2 CD 730099025379 (113’)

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Nach wie vor fristen Haydns Opern ein Fußnotendasein im heutigen Musikleben. Dabei nehmen sie in seinem Gesamtwerk einen durchaus repräsentativen Raum ein: Wohl an die zwei Dutzend Opern hatte er im Laufe von 40 Jahren komponiert, und sie gehörten damals europaweit zu den erfolgreichsten. Zudem amtierte Haydn in den 1970er und 1980er Jahren des 18. Jahrhunderts gleichsam hauptberuflich als Opern kapellmeister am Operntheater seines Fürsten Nikolaus Joseph Esterházy. In dieser Zeitspanne dirigierte er etwa 140 verschiedene Opern in insgesamt über eintausendAufführungen.


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Haydn, Die Feuersbrunst; Otto Katzameier, Andreas Karasiak, Isa Katharina Gericke, Ferdinand von Bothmer, Capella Augustina, Andreas Spering (2006) CPO/JPC 2 CD 761203721320 (92’)

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Vermutlich passt Wagners „Parsifal“ nach Erl zu Gustav Kuhns Tiroler Festspielen wie sonst nur noch nach Bayreuth. Der Mitschnitt, der nun bei Kuhns Label Col Legno herauskam, trägt eindeutig den Stempel von Erls König: Der Dirigent legt mit dem hochinspirierten Festspielorchester eine diskussionswürdige Interpretation vor. Es scheint ihm freilich mehr um die Inte gra tion als um ein Betonen der Gegensätze zu gehen.


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Wagner, Parsifal; Thomas Gazheli, Manfred Hemm, Michael Baba, Martina Tomcic, Michael Kupfer u. a. Orchester und Chor der Tiroler Festspiele, Gustav Kuhn (2007) Col Legno/HM 3 CD 9120031340508 (217’)

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Agostino Steffani war von 1688 bis 1706 Hofkapellmeister in Hannover, wo er zwölf Opern komponierte und 1710, nunmehr als päpstlicher Diplomat, Händel erneut begegnete, den er kurz zuvor in Rom kennen gelernt hatte. Händel hat von dem gut 30 Jahre Älteren einiges gelernt, vor allem im Bereich der Kammerduette, und später sogar aus Steffanis Werken zitiert; sein „Orlando“ hat allerdings mit Steffanis vierter Hannoveraner Oper nur den Titelhelden gemein. Bemerkenswert an dem vorliegenden Werk ist seine stilistische Bandbreite: Große Arien modernen Zuschnitts stehen neben monodieartigen Sätzen, die entfernt noch an Monteverdi erinnern, und italienischem Schmelz wird französische Eleganz gegenübergestellt, wie sie seinerzeit gerade an deutschen Fürstenhöfen kultiviert wurde. Die Rezitative sind üppig harmonisiert, und insgesamt spart Steffani nicht an musikalischen Pointen.


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Steffani, Orlando generoso; Daniel Lager, Roberta Invernizzi, Susanne Rydén, Kai Wessel, Franz Vitzthum, Jörg Waschinski, Musica Alta Ripa, Bernward Lohr (2008) MDG/Codæx 3 CD 760623156620 (163’)

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Wenn das keine skurrile Opern handlung ist: Weil der junge reiche Nichtsnutz Dominic auf einer Party eine junge Dame anbaggert, verwandelt ihn seine zauberkundige Großmutter in ein Sofa. Erst dann soll er wieder menschliche Gestalt annehmen, wenn sich auf ihm ein Liebespaar vergnügt. Dies lässt auf sich warten – und zwar bis zu dem Zeitpunkt, als sich das Objekt von Dominics Begierde auf dem Sofa mit ihrem Ex einlässt. Peinlich für alle Beteiligten! Die Komponistin der einaktigen Groteske, Elisabeth Maconchy (1907-1994), ist bei uns, wenn überhaupt, als Schöpferin recht strenger Streich quartette bekannt. Von dieser Strenge ist in „The Sofa“ wenig zu spüren: In spritzigem Buffo-Tonfall geht es quer durch die Musikgeschichte – von Beethoven bis Johann Strauß. Das macht durchaus Spaß, entbehrt aber ein wenig einer identifizierbaren Physiognomie.


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Maconchy, The Sofa, The Departure; Independent Opera at Sadler's Wells, Dominic Wheeler (2007) Chandos/Codæx CD 095115150825 (70’)

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