Christian Thielemann

Federleichte Schwergewichte

Christian Thielemann liebt die Extreme. Und jene Sphäre, wo sie sich begegnen: zum Beispiel das Wiener Neujahrskonzert. Das hat er jetzt zum ersten Mal geleitet.

Von Volker Tarnow

Unser Autor traf den Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Musikdirektor der Bayreuther Festspiele noch vor dem Konzert, im Dezember, in Dresden. Wie bei all unseren Interviews üblich, schickte er Christian Thielemann den verschriftlichten Text zum Gegenlesen. Thielemann bat sehr darum, die alte Rechtschreibung zu verwenden. Den Gefallen haben wir ihm gern getan.

Herr Thielemann, warum hat es trotz langjähriger intensiver Partnerschaft mit den Wiener Philharmonikern so lange gedauert bis zur Premiere?
Das müssen Sie die Wiener fragen.

Haben die vielleicht befürchtet, Sie würden mit Paul Lincke ankommen?

Ich weiß wirklich nicht, nach welchen Kriterien es geht. Denken Sie mal, Karl Böhm hat nie ein Neujahrskonzert geleitet, obwohl er den Wienern lange Jahre eng verbunden war, enger als Karajan. Aber auch Karajan bekam erst in hohem Alter ein Angebot.

Das Programm hat mich überrascht. Warum nichts von Otto Nicolai, immerhin sind ja die Wiener Philharmoniker eine ostpreußische Schöpfung?
Das stimmt, und wir haben auch zusammen 2010 in Königsberg, in seiner Geburtsstadt, am Dom eine Nicolai-Plakette enthüllt.

Ihre Beziehungen zu Wien sind sehr vielfältig und auch älter, als man gewöhnlich annimmt.
Wir haben uns von Anfang an wahnsinnig gut verstanden. Mit 23 oder 24 habe ich in Wien eine „Così fan tutte“ dirigiert, danach „La Traviata“ und „Figaro“. Dann gab es eine längere Pause, weil ich damals in Nürnberg GMD geworden bin und nur noch selten gastierte. Erst nach einem „Fliegenden Holländer“ und „Tristan und Isolde“ lebte diese Liebe wieder auf. Unvergeßlich sind mir die Aufführungen der Beethoven-Sinfonien in Moskau. Es ist ein Geben und Nehmen, wie man es sich nur wünschen kann.

Wieviel von dem, was ein Orchester anbietet, können Sie akzeptieren?

Ich habe immer viel genommen, ich lasse auch gern frei aufspielen. Aber das darf einen nicht davon abhalten, exakt zu proben und die Dinge möglichst exemplarisch zu machen.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Februar 2019

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Neujahrskonzert 2019; Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann (2019); Sony Classical