Jukka-Pekka Saraste

Ds Schönste zum Schluss
Vor seinem angekündigten Abschied als Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters hat Jukka-Pekka Saraste seinen ersten Beethoven-Zyklus dirigiert. Nun erscheinen die Mitschnitte.

Von Arnt Cobbers

Er habe als typischer Finne angefangen, aber inzwischen sei er ein echter Kölner, meint die Pressefrau des WDR-Orchesters, die sich klar als Saraste-Fan bekennt. Der 62-jährige Finne ist seit vielen Jahren einer der großen Namen der Dirigentenszene. Aber einer der stillen. Auch im Interview im Dirigentenzimmer der Kölner Philharmonie sitzt er zunächst freundlich, aber skeptisch ganz in der Ecke der Sitzgruppe, erst allmählich öffnet er sich. Saraste spricht gut Deutsch, wechselt aber doch schnell ins Englische.

Herr Saraste, warum haben Sie nun einen Beethoven-Zyklus dirigiert?
Die Beethoven-Sinfonien sind die Basis der Orchesterkultur, jede Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Orchester muss dazu ein Statement abgeben. Deshalb haben wir gleich zu Beginn, als ich nach Köln gekommen war, Beethoven gespielt. Nun fühlten wir uns reif für einen Zyklus.

War es Ihr erster Beethoven-Zyklus?
Ja, und auch der erste des Orchesters. Ich hatte das Gefühl, es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, meine Sicht der Sinfonien darzustellen. Mich haben ganz unterschiedliche Lesarten inspiriert. Es war eine hochinteressante Zeit, als Leute wie Norrington, Gardiner oder Harnoncourt ihren Beethoven gemacht haben – ich bin noch aufgewachsen mit Karajan und Kleiber. Beethoven hat eine ziemliche Achterbahnfahrt hinter sich – von der Romantik zur Ultraklassik, und jetzt macht jeder seine eigene Synthese. Man kann sich Beethoven inzwischen subjektiv und emotional nähern, man muss keinen stilreinen „Schul-Beethoven“ oder sowas liefern. Wenn man mich fragt, warum ein sozusagen romantisches Orchester Beethoven spielt, antworte ich: Sollen alle Pianisten Hammerklavier spielen? Es kommt nicht auf den Orchesterapparat an. Viel wichtiger sind das Feeling, Sachen wie Rubato, Atem, Phrasierung, Kontraste usw. Da muss und kann jeder seinen eigenen Weg finden.


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Aktuelle CD

Beethoven: Sinfonien
Nr. 4 und 5; WDR Sinfonieorchester, Jukka-Pekka Saraste (2017); Profil Edition Günter Hänssler