Elbphilharmonie

Flaggschiff der Klassik

Kein anderer Konzerthausbau war in den letzten Jahren umstrittener. Am 11. Januar wird die Elbphilharmonie endlich feierlich eröffnet. Von Andreas Kunz

Ein Morgen im November. Der Himmel ist grau, und eine eisige Brise schneidet einem ins Gesicht: hanseatisches „Schmuddelwetter“, das eigentlich von einem Gang an die Elbe abschreckt. Und doch tummeln sich hier am Rande der historischen Speicherstadt knapp 300 Pressevertreter aus aller Welt. Grund: die Besichtigung der Elbphilharmonie.

Ein Großprojekt, dem der Ruch des Skandalösen anhaftet. Kalkulierte man bei der Grundsteinlegung am 2. April 2007 noch mit Kosten von 114 Millionen Euro für die öffentliche Hand, so vervielfachten sich diese auf sagenhafte 789 Millionen Euro, die Gesamtkosten betragen gar 866 Millionen Euro: Platz zwölf der teuersten Gebäude der Welt.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ermittelte bis 2014 die Gründe: anfänglich viel zu niedrig angesetzte Kosten (bewusst, um das Konzertgebäude politisch durchzusetzen?), dazu haarsträubende Fehler bei der Durchführung. So war das Projekt zu einem Zeitpunkt ausgeschrieben worden, als es noch längst nicht zu Ende geplant war. Folge: Ständige Nachbesserungen während der Bauphase. Dazu kamen Streitigkeiten zwischen dem Architekturbüro Herzog & de Meuron und der Baufirma Hochtief, begünstigt durch komplizierte Vertragsstrukturen, die zu einem einjährigen Baustopp führten. „In diesem Fall ist das Zustandekommen geradezu unglaublich. Der reine Wahnsinn, wie lange das gedauert hat“, sagt Architekt Jacques Herzog. Erst nach einer Neuordnung der Verträge konnte die Elbphilharmonie fertiggestellt werden – mit siebenjähriger Verspätung.

Hat sich der gewaltige Aufwand gelohnt? Von außen wirkt der Bau imposant. Ein alter Speicher als wuchtiger Backsteinsockel, auf dem ein Glasaufbau dem Himmel zustrebt: gelungene Synthese von historischen und futuristischen Elementen, die nicht zuletzt wegen des wellenförmigen Dachs mit der Umgebung harmonieren. Die Vorfreude ist groß, endlich das Innere zu erkunden. Nach der Besichtigung von zwei „Kaistudios“ im Erdgeschoss (in einem befindet sich eine Installation von Brian Eno) besteigt man „The Tube“ – die längste Rolltreppe Westeuropas und wegen der atmosphärischen Beleuchtung wohl auch die schönste. Ein Entree, das für folgende Eindrücke sensibilisiert. Zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt hinauf in den achten Stock, bei der man zugleich den Speicher von der Ost- zur Westseite durchquert. Von dort aus gelangt man schnell zur „Plaza“, die sich auf dem Dach des Speichers befindet und frei zugänglich ist.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Januar 2017

Buch

Joachim Mischke, Michael Zapf: Elbphilharmonie; Edel Books, Hamburg 2016. 224 S., 29,95 Euro

Termine

11.01. Großer Saal: Werke von Beet­hoven, Messiaen, Rihm, Wagner u. a.; Harteros, Jaroussky, Kaufmann u. a., NDR Elbphilharmonie Orchester, NDR-Chor, Chor des BR, Thomas Hengelbrock
12.01. Kleiner Saal: „Release“ von Georg Friedrich Haas (Uraufführung); Sandrine Piau, Ensemble Resonanz, Schlagquartett Köln, Emilio Pomàrico

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Konzerte bis Saisonende bereits ausverkauft. „Die Nachfrage nach Karten ist zehnmal so groß wie das Angebot – das ist man in der Klassik nicht gewohnt“, so Generalintendant Christoph Lieben-Seuther, der versucht, Zusatzkonzerte zu organisieren.

Infos und Tickets
www.elbphilharmonie.de,
Tel.: 040/35 76 66 66