Dass bei der Taufe dieser Band auf den Namen „The Shredz“ ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln Pate stand, wollen wir nicht unterstellen. Vielmehr wird hier aus Schnipseln („shreds“) Musik, und der Leader des Quartetts zerschreddert schon mal mit hibbeligen Breakbeats die Metren, bis die Fetzen fliegen. Der Berliner Eric Schaefer zählt zu den musikalischsten Drummern im Lande, bei Weitem nicht bloß Rhythmusgeber, sondern einer, der mit Nuancen, Farben, Klängen spielt und selbst komponiert. Einen Namen machte er sich vor allem im Trio des Pianisten Michael Wollny.

Im eigenen Quartett rückte er vor drei Jahren den kolossalen Themen Richard Wagners mit Humor und Groove, Club- und Dub-Sounds zu Leibe und machte damit nicht nur bei Wagnerianern Furore („Who Is Afraid of Richard W.?“, Act). Für den inzwischen ausgestiegenen Trompeter Tom Arthurs fand sich mit dem Essener John-Dennis Renken ein perfekt ins Team passender Nachfolger, den sein großes Faible für Miles Davis oder Nils Petter Molvær aber nie zum Imitieren seiner Helden verleitet. Keyboarder Volker Meitz bringt Club- und Remix-, Bassist John Eckhardt Neue-Musik-Erfahrung mit; all dies fließt hier aufs Schönste zusammen.

In Sound und Machart knüpft „Bliss“ an die Experimente eines Miles Davis um 1970 mit Electric Jazz und Studiotechnik an, freilich unter Einsatz heutiger Hightech. Nummern wie „Longjam“, „ShortJam“ oder „SlomoJam“ sind Destillate aus längeren Kollektivimprovisationen, digital geschnitten und zu Stücken aus geloopten Motiven, zischelnden Beats, aufblitzenden Trompetenlinien und fauchenden Orgel-
akkorden collagiert. Einige kongeniale Schaefer-Kompositionen runden ein Album ab, bei dem Anklänge an die Pionierzeit des Fusion Jazz auf Sounds und Grooves der Clubmusik von heute treffen. Das macht die Sache experimentell und spannend.

Berthold Klostermann