Er phrasiert musikalisch, kann seine Stimme, die einen angenehm weichen Grundklang hat, zurücknehmen, die Höhe ist da, die Artikulation klar. Und dennoch: Maximilian Schmitts Recital deutscher Opernarien ist eine Enttäuschung. Die Stimme geht nicht durch, sie scheint irgendwo im Phonationstrakt einer Verengung zum Opfer zu fallen, die zu nasalen und bei den offenen Vokalen mitunter zu gepressten Klängen führt (den Vokal „a“ bekommt er einfach nicht in Position). Da tun sich grundsätzliche technische Probleme eines mangelnden Vokalausgleichs auf, die auch durch eine kluge Sprachbehandlung nicht zu kaschieren sind. Der Weg, den Schmitt gehen zu wollen scheint, zeichnet sich auf der CD bereits ab: Urlyrischen, liedhaften deutschen Stücken wie „Horch, die Lerche singt im Hain“ (Nicolais „Lustige Weiber“) oder „Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen“ (Lortzings „Zar und Zimmermann“) setzt er Grenzrollen wie den Max aus dem „Freischütz“ und das Gebet des Rienzi aus Wagners gleichnamiger Oper entgegen. Der Nachfrage des Sänger-Marktes wird er mit seinem Hang zum Schwereren auf jeden Fall entgegenkommen. Hoffentlich kann er noch lange widerstehen. Weltkarriere im Lyrischen hat Schmitt ohnehin schon gemacht, Scala und Staatsoper Wien eingeschlossen. Zu den Pluspunkten der Aufnahme gehört die Zusammenstellung der Stücke. „Wie ein schöner Frühlingsmorgen“ aus dem „Vampyr“ von Marschner oder „Was quälst du dich“ aus Schuberts „Fierrabras“ sind wie „Unter blühenden Mandelbäumen“ aus der „Euryanthe“ wertvolle Schätze aus den Geheimschatullen des Repertoires. Das WDR Sinfonieorchester Köln unter Patrick Lange bereitet Schmitt ein gutes, sauber gegossenes Fundament. Umso stärker treten die gesangstechnischen Unzulänglichkeiten zutage.

Johannes Schmitz