Frauen in der Musik – ein noch immer nicht gänzlich befriedigend abgeschlossenes Kapitel. Für Schicksale von Unterdrückung steht in der Vergangenheit u. a. der Name Fanny Hensel. Während Vater Abraham Mendelssohn seinen Sohn Felix in jeder nur erdenklichen Weise förderte, erachtete er die Fähigkeiten Fannys lediglich als Frauen-„Zierde“, die sich bestenfalls in privatem Kreise ausleben dürfe, eine Einschätzung, welche der Bruder teilte. Fannys Kompositionen, lange unter Verschluss gehalten, wurden erst 1965 freigegeben. Das meiste befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Solches Totschweigen lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen aufarbeiten. Bemühungen um Korrektur sind immerhin feststellbar. So haben sich für Fannys Liedkompositionen (ca. 250 Titel) im Phonobereich Editionen der Labels Troubadisc (nach den ersten beiden Volumina von 2001 wurde freilich nichts mehr veröffentlicht) und Naxos (Vol. 2 erschien 2013) stark gemacht. Der Bariton Tobias Berndt und sein Begleiter Alexander Fleischer bieten jetzt bei Querstand eine repräsentative Kollektion, bei welcher Goethe-Gedichte den roten Faden bilden. Ein Text übrigens ist Fanny Hensel persönlich zugeeignet.

Es gibt sicher Konventionelles bei ihren Kompositionen, doch wirken selbst strophische Lieder im Ausdruck kaum je belanglos. Generell erfreut ihre Musik durch verbale Sinnprägung, Stimmungsdichte und arioses Ausschwingen. Die lyrische Sensibilität von Tobias Berndts weich geführtem Bariton wird ihr gerecht, erfasst nicht zuletzt die latente Schwermut, welche sich in der vorgenommenen Liedauswahl niederschlägt. Anpassungsfähiger Begleiter: Alexander Fleischer.

Christoph Zimmermann