Mit den Klarinettensonaten von Poulenc und Saint-Saëns, Debussys „Première Rhapsodie“ und Milhauds eigener Bearbeitung aus „Scaramouche“ für Klarinette und Klavier enthält der Silberling vier der wichtigsten französischen Klarinettenwerke des 20. Jahrhunderts. Abgerundet wird diese Klarinettenhitparade von zwei weniger bekannten Stücken: einer charmanten Canzonetta von Gabriel Pierné und „Denneriana“ von André Bloch, einer reizvollen Hommage an den Erfinder der Klarinette, den Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner (1655-1707). Ein herrliches, musikalisch ungemein vielfarbiges, aber auch virtuos-übersprudelndes Programm par excellence. Der musikalische Ansatz der aus Petersburg stammenden Klarinettistin Lisa Shklyaver und des renommierten belgischen Pianisten und Orchesterleiters (Anima Eterna) Jos van Immerseel ist jedoch ein anderer: Ihre Interpretationen sind geprägt von analytischer Ernsthaftigkeit, die Strukturen der Stücke werden mit penibler Pedanterie quasi seziert. Das ist streckenweise durchaus spannend, mediterrane Leichtigkeit und pastorale Kantabilität bleiben jedoch bei so viel Ernsthaftigkeit zwangsläufig auf der Strecke. Wie dem auch sei: Die handwerkliche Perfektion und das sorgsam abgestufte Zusammenspiel des Duos bringen diese etwas andere Sichtweise jedenfalls wirkungsvoll zur Geltung.

Holger Arnold