Wirkungsvoll

Baiba Skride mag in ihrer Interpre ­ta ­tion des Strawinsky´schen Violin ­kon ­zer ­tes weder über die atemberaubende Vir ­tuosität von Hilary Hahn noch über den wuchtigen Impetus von David Oistrach oder den wunderbaren Lyrismus von Isaac Stern verfügen, der das Werk sogar unter der Leitung des Komponisten eingespielt hat. Doch bietet auch sie eine hinreißende Interpretation. Das liegt vor allem an ihrer kammermusikalisch-konzertanten Les ­ ­art der Partitur, die sich in jedem Mo ­ment auf den reich ausgestalteten Or ­ches ­terpart, hervorragend realisiert vom BBC National Orchestra of Wales, einlässt. Auf diese Weise wirkt das Werk musikalisch reicher, auch perspektivenreicher, lebhafter und beschwingter, als man es gewohnt war: musi ­kalisch- spieltechnisch eine ungemein beeindruckende Leistung!

Aber diesmal sollte vielleicht einmal nicht Strawinskys gewiss grandioses Kon ­zert die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern dasjenige von Frank Mar ­tin: ein Meisterwerk ganz eigener Stim ­mung und Faktur von 1951, gewissermaßen das »letzte« der großen Violin ­kon ­zerte, die seit den dreißiger Jahren kom ­poniert wurden und zu einer unvergleichlichen Blüte der Gattung führten. Man muss sehr dankbar sein, dass Baiba Skride ihre ganze Inter ­pre ­tationskunst auf höchstem spieltechnischem Niveau diesem leider vernachlässigten Werk widmet. Sie spielt es tatsächlich als eine große, sinfonisch dimensionierte Kom ­po ­sition voll aus, doch wird bei dieser Einspielung ihr sinfonischer Impetus nicht ganz vom Or ­ches ­ter aufgegriffen und nach außen gekehrt. Hier lässt Thierry Fischer, ein ungewöhnlich sorgfältig-umsichtig gestal ­tender Dirigent, das Or ­ches ­ter weniger mit der Solistin musizieren, als dass er vielmehr »nur« begleiten lässt – das allerdings mit einer kaum zu übertreffenden Präzision ohne Pedan ­terie, die auch den orchestralen Zugaben von ­Ho ­n ­eg ­ger (»Pacific 231«, »Rugby«) und Stra ­winsky (»Circus Pol ­ka«) zu prägnanter, bestechend deutlicher und plastischer Wirkung verhilft.

Giselher Schubert

Termine

4.9. Luzern, KKL (Gubaidulina)

7.9. Schwarzenberg, Hof 454 (Schönberg, Schubert)

9.9. Schwarzenberg, Hof 454

(Brahms, Schubert)  

13./14.9. Bern, Kultur-Casino (Brahms)