Das in der Schweiz beheimatete Label bmn-medien wagt auch auf seiner neuesten Veröffentlichung den klangtechnischen Doppelpack: Neben einer CD gibt es auch eine Blu-ray Disc mit Audio und HD-Video. Inhaltlich unterscheiden sich beide Scheiben dadurch, dass auf der einen das längste Werk dieser Produktion, das erste Streichquartett von Arnold Schönberg, fehlt. Die beiden anderen Werke dieser Live-Aufnahme aus Basel, das erste Quartett von Antonín Dvořák sowie das siebte Quartett von Ernst Krenek, sind auf beiden Datenträgern enthalten. Das Zemlinsky Quartett, dessen Diskografie vor allem von einem Dvořák- und einem Schubert-Zyklus geprägt ist (Praga Digitals), kann sich auch hier auf sein genau justiertes Zusammenspiel verlassen. Es ist das Ergebnis jahrelangen genauen Ausbalancierens, wenn das Cello im Dvořák-Finale hervortritt und gleichzeitig die beiden Geigen streiten und säuseln, während die Bratsche überlegt, für wen sie eigentlich Partei ergreifen soll. Diese Abstimmungsstufen kommen der Fuge bei Krenek besonders zugute, in der die Musiker genau wissen, wo sie sich mit welcher Intensität am besten einklinken. Fünf Sätze hat Krenek in diesem op. 96 zu einem Ganzen zusammengeschmolzen; gerade im ersten Satz, der „grazioso e dolce“ zu spielen ist, gibt es Momente, in denen das Zemlinsky Quartett zu zögern scheint, ob es nun noch graziöser, wie vorgegeben, oder derber, kräftiger, wie es der Gestus nahelegt, vorgehen soll. Beim monumentalen Schönberg-Quartett finden die vier Streicher zu einem sehr variablen, mal fahl-gläsernen, mal derb-kräftigen, sonoren Klang. Das ist nicht durchweg furios, aber erstaunlich souverän. Eins ergibt sich aus dem anderen, und so entsteht eine Art magischer Realismus, vor allem bei den Steigerungen, die einerseits kühl analytisch kalkuliert wurden, andererseits ein spontanes Mitempfinden verraten.

Christoph Vratz